Schloss Montabaur: Ausgebaut vom bestechlichen Erzbischof

Schloss Montabaur: Heute ein Tagungshotel

Die A3 zwischen Köln und Frankfurt hat so einige prägnante Landmarken zu bieten. Etwa das Siebengebirge oder den Limburger Dom. Sicherlich hängen bleibt das Auge auch an Schloss Montabaur. Das erhebt sich unübersehbar auf einem Berg nicht weit vom grotesk überdimensionierten ICE-Bahnhof des Ortes*). Tagsüber sticht das Gebäude mit den schönen Kuppeln durch seine gelbe Farbe hervor. Nachts ist das an der Autobahnseite angestrahlte Schloss sogar noch auffälliger.

Das Schloss steht auf den Fundamenten der Burg Humbacense, die die Erzbischöfe von Trier hier schon im 10. Jahrhundert errichteten (erste Erwähnung 957). Die Burg hielt nicht lange. Bekannt ist, dass Erzbischof Dietrich von Wied die zerstörte Anlage 1217 wieder aufbauen ließ.


Der Bischof kam gerade 1225 vom Bekriegen der Ungläubigen im Heiligen Land zurück, und der Berg erinnerte ihn an den biblischen Berg Tabor im heutigen Israel. Also nannte er die Burg Mons Tabor (=Berg Tabor). Umgangssprachlich wurde daraus Montabaur. Der heute noch bestehende Bergfried wurde dann zwischen 1280 und 1290 errichtet. Seit 1291 hat das am Fuß der Burg liegende Montabaur Stadtrecht. Wenn die Erzbischöfe aus dem fernen Trier herkamen, dann übrigens zum Jagen in den wildreichen Wäldern der Umgebung. Die Jagd galt schließlich als ein äußerst standesgemäßes Hobby des mittelalterlichen Adels.

Der mächtige Erzbischof Richard von Greiffenklau zu Vollrads (1467-1531), der auch die Burg Ehrenbreitstein zur Festung ausbauen ließ, ordnete 1520 an, die mittelalterliche Burg in ein vierflügliges Renaissance-Schloss zu verwandeln.

Es ist durchaus anzunehmen, dass auch einiges aus dem Bestechungsgeld, das er 1519 bei der Wahl des deutschen Königs einstrich, in den großzügigen Umbau geflossen ist (Frankreich hatte seine Stimme für Franz I. gekauft, gekürt wurde dann aber doch Karl V.).

Greifenklau versuchte so nebenbei auch noch die Reformation zu verhindern – Er bot Luther Asyl in Trier an, wenn er nur mit der Papst-Kritik aufhören würde. Wer weiß, vielleicht wäre Luther ja auf Montabaur gelandet, statt auf der Wartburg, wenn er angenommen hätte. Aber der Reformator zeigte kein Interesse.

Der heute noch existierende Torbau wurde dann 1588 errichtet. Durch Erzbischof Johann Hugo von Orsbeck erhielt das Schloss in den Jahren 1687 bis 1709 sein heutiges Erscheinungsbild. Der Bischof hatte die trierischen Hofarchitekten Johann Christian Sebastiani und J. Honorius Ravensteyn mit dem Umbau betraut. Ziemlich verwunderlich, da große Teile des Bistums in dieser Zeit jahrelang von Frankreich besetzt waren und die größeren Städte in Flammen aufgingen.

Eigentlich hätten die Architekten genug andere Arbeit gehabt. Nunja, das abgelegene Montabaur blieb vom Krieg jedenfalls verschont.

Mit der Besetzung durch die französische Revolutionsarmee endete die weltliche Herrschaft des Erzbischofs. Montabaur fiel 1803 an das Herzogtum Nassau. Die Herzöge nutzen es noch ein paar Jahrzehnte als Jagdschloss.

1851 zog ein Lehrereseminar ein, 1880 das Landratsamt des Unterwesterwaldkreises. Der Landrat blieb bis 1945 im Schloss. Nach dem Krieg wurde es Sitz der Bezirksregierung Montabaur. Die Beamten saßen hier bis 1968. Dann kaufte die Deutsche Genossenschaftskasse (Genossenschaftsbank) das Areal. Seit 1982 gehört es der Akademie Deutsche Genossenschaftsbanken e.V.

Heute ist das Schloss ein Tagungshotel und Schulungszentrum der Raiffeisen- und Volksbanken, aber auch Einzelreisende oder Paare können sich dort Zimmer reservieren.

Link: Eine kleine Chronik findet sich unter anderem hier.

Lage: Schloss Montabaur, 56410 Montabaur

*) Dass die Kleinstadt Montabaur überhaupt einen ICE-Bahnhof hat, ist noch so eine Groteske. Der nächste ICE-Haltepunkt liegt nämlich gerade mal 20 Kilometer(!) entfernt in Limburg/Lahn. Aber das ist ja bereits in Hessen. Und da mussten, um des lieben Länderausgleichs Willen, schon mal ein paar Milliönchen extra verbaut werden, damit die Rheinland-Pfälzer jetzt auch „ihren“ Schnellzugbahnhof haben.

Fotos: Meine


2 Gedanken zu „Schloss Montabaur: Ausgebaut vom bestechlichen Erzbischof“

  1. Ich war diese Woche in Montabaur und konnte dieses Auffällige Schloß und Hotel von innen ansehen. Zur Zeit wird dort ein neuer Empfang aus Natursteinmauerwerk und Glas gebaut.

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