Ziel von Kreuzfahrern und Mongolen: Die Zitadelle von Damaskus


Saladin-Denkmal vor der Zitadelle

Die Zitadelle von Damaskus konnte ich 2008 leider nur von außen fotografieren. Jahrelang war das mächtige Bauwerk in der syrischen Hauptstadt geschlossen. In einem syrisch-italienischen Gemeinschaftsprojekt wurde die islamische Festung für fünf Millionen Euro saniert.

Anschauen konnte man sich nur die vom dichten Verkehrsgewühl umbrausten Mauern und das grüne Saladin-Denkmal.

Der Sultan selbst hat übrigens „drei Ecken weiter“, an der Umayyaden-Moschee, seine letzte Ruhe gefunden – in einem äußerst bescheidenen Mausoleum, das man besichtigen kann (Foto unten links).



Die Geschichte der Zitadelle ist eine Historie ständiger Zerstörungen und eines nimmermüden Wiederaufbaus. Sie reicht bis in römische Zeit zurück. Bereits Kaiser Diokletion ließ hier eine Festung errichten.

Die Römer-Bauten hatten bis ins 10. Jahrhunderten Bestand. Die mittelalterliche Festung wurde in den Jahren 1076 bis 1095 errichtet. Sultan Saladin selbst wohnte in der Festung von 1176 bis 1193. Hier plante er den Angriff auf das christliche Königreich Jerusalem, die im Oktober 1187 mit der Einnahme der beiden Religionen heiligen Stadt endete.

Mir sind Damaskus und seine Zitadelle aber vor allem wegen der völlig idiotischen Belagerung durch die Kreuzfahrer im Zweiten Kreuzzug im Gedächtnis geblieben.

Rückblende: 1148. Die Kreuzfahrer wollten eigentlich dem in Aleppo sitzenden Nur ed-Din das Fürstentum Edessa wieder abjagen. Dazu hätte man Aleppo oder Edessa angreifen könnnen.

Die Könige von Frankreich, Ludwig VII., und Deutschland, Konrad III., waren mit reichlich Ritter-Gefolge im Heiligen Land erschienen und wollten nach der langen, verlustreichen Reise möglichst schnell losschlagen und endlich auch mal siegen.

Man beriet sich mit den Baronen des Königreichs Jerusalem und beschloss keines der beiden Ziele anzusteuern.

Statt dessen hielt man sich an einen vermeintlich leichter zu bezwingenden Gegnern, der entsprechende Beute versprach. Der Blick der christlichen Ritter blieb an Damaskus hängen. Dieses Reich war zwar dem Königreich freundschaftlich verbunden, zahlte den Christen Tribut und war zudem ein Gegner des immer mächtiger werdenden Nur ed-Din – aber es lag nun einmal erhängnisvoll günstig für einen Raubzug.

Und die Europäer kannten es aus der Bibel – anders als Edessa und Aleppo. Also machte sich das bislang größte Kreuzfahrerheer der Geschichte auf, Damaskus für die Christenheit „zurückzugewinnen“.

Dummerweise dachten die Damaszener gar nicht daran, dich zu ergeben. Sie verschanzten sich und schickten Boten zum ihrem Erzfeind Nur ed-Din mit der Bitte um Unterstützung. Die Kreuzfahrer reihten einen taktischen Fehler an den nächsten. Statt die Stadt einzuschließen, wüteten sie in den Obstgärten.

Als es dort zu Gefechten kam, zogen sie sich in die Ebene vor die Stadt zurück. Dort gab es aber kein Wasser. Und in den Obstgärten lauerte der Feind. Als dann das Gerücht aufkam, Nur ed-Din sei von Aleppo aus im Anmarsch, zerstritten sie sich heillos und brachen die Belagerung ab.

Geldzahlungen aus Damaskus sollen ihnen die Entscheidung leicht gemacht haben. Allerdings wurde das abziehende Heer noch tagelang von berittenen Damszener Bogenschützen verfolgt, was viele Opfer kostete.

Letztlich wurde das Königreich Jerusalem mit der Aktion seinen einzigen Freund in der Region los, und der Fall von Damaskus an Nur ed-Din war nur noch eine Frage der Zeit. Er fand sechs Jahre nach dem christlichen Angriff statt. Nur ed-Din ließ die Stadtbefestigungen in Damaskus, seiner neuen Hauptstadt, neu errichten und leistete die Vorarbeiten, die Saladin fortsetzte.

1201 wurde die Zitadelle durch ein Erdbeben weitgehend zerstört und von Saladins Nachfolger wieder aufgebaut und in den Folgejahren mit immer neuen Türmen erweitert.

1260 zeigte sich, dass auch eine noch so mächtige Befestigung dem Sturm der asiatischen Reitervölker nicht standhalten kann. Die Mongolen, ausgerüstet mit Wurfmaschinen, eroberten die Festung nach heftigen Kämpfen und rissen den nördlichen Teil ab. Die Mameluckensultane reparierten die Schäden und bauten weitere Türme und Mauern.

1298 konnten die Befestigungen den Mongolen tatsächlich standhalten. Das lag allerdings auch daran, dass der schlaue Burgherrr al-Din die gegnerischen Wurfmaschinen mit öfgefüllten Granaten in Brand setzte. 1401 stürmte dann der Mongolen-Bezwinger Tamerlan (Timur) die Stadt. Die Zidtadelle konnte sich noch einige Tage halten, dann schlug der unbarmhertige Eroberer mit Hilfe von Feuer und Essig eine Schneise in die Mauern der Zitadelle und eroberte auch sie. Die Festung ging in Flammen auf.

Es folgten Jahre des Wiederaufbaus. Die osmanischen Eroberer bekamen Stadt und Zitadelle übrigens 1516 ohne Kampf in die Hände. 200 Jahre später richteten neuerliche Erdbeeben wieder erhebliche Schäden an. Bis 1761 wurde die Zitadelle erneut restauriert. Ihre militärische Bedeutung hatte sie weitgehend verloren. 1875 wurden dann die Gräben zugeschüttet und durch Straßen ersetzt. Heute braust dort wie gesagt ein diabolischer Verkehr.

Der massive Komplex mitten in der Hauptstadt blieb lange (bis 1984) in der Hand der Militärs, die hier Kaserne und ein Gefängfnis unterhielten. Noch Hafis el-Assad ließ hier nach seinem Putsch 1968 politische Gegner einkerkern.

1985 wurde der nur im Fundament erhaltene, durch einen Brand zerstörte Südwestturm nach dem Vorbild des südöstlichen Turmes wieder errichtet. 1987 begannen die Restaurierungsarbeiten an der Westseite. Inzwischen sind die Nord- und die Ostseite ebenfalls instand gesetzt. Die Altstadt von Damaskus gehört seit 1979 zum Unesco-Welterbe.

Nachdem man die Zitadelle zwischendurch immer mal wieder besichtigen konnte, war das bei meinem Besuch 2008 leider gerade nicht möglich.

Ausgrabungen
Archäologen sind jüngst in der Zitadelle auf einige winzige aber dennoch hochinteressante Münzfragemente gestoßen, die Aufschluss über die Stadt in den Jahren zwischen 950 und 1150 geben soll, von der wir erstaunlich wenig wissen.

Link: Eintrag über die Zitadelle bei Wikipedia

Fotos: Meine – die Bilder unten zeigen den Sarkophag von Saladin, einen Blick auf Damaskus und den Innenhof der Umayyaden-Moschee (nicht zu verwechseln mit der fast gleichnamigen Moschee in Aleppo, die inzwischen bei den Kämpfen schwer beschädigt worden ist).



6 Gedanken zu „Ziel von Kreuzfahrern und Mongolen: Die Zitadelle von Damaskus“

  1. Der Beitrag ist sehr gut! Ich war dort in Damaskus. Eine beeindruckende Stadt. Du schreibst sehr ausführlich. Ich habe schon einige Deiner Beiträge gelesen. Danke.

    Freundliche Grüße
    Axinja

  2. da könnte ich fast neidisch werden :)
    es ist immer wieder eine wohltat, bei dir hier vorbei zu gucken. hör bloss nicht auf damit :)

    gruss
    torsten (dann brauchst nicht immer wortman sagen *g*)

  3. Hallo Wortman,
    meistens war ich selber da. Wenn nicht, schreibe ich es dazu. Dann sind die Fotos auch nicht von mir.

    Schöne Grüße
    Jan

  4. moin jan,
    sag mal, warst du da eigentlich überall, wo du die berichte von den burgen/ruinen online stellst? 😉

    ja, so ein schild ist schon was nettes :)

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