Burg Rabenstein: Wo die traurige Geister-Dame im Turm wartet

Burgen mit Geistergeschichten haben für mich einen ganz besonderen Reiz. Burg Rabenstein im Fläming hat so eine Sage um eine verzauberte junge Dame. Normalerweise hasse ich ja copy & paste, aber weil diese brandenburger Sage ziemlich charakteristisch ist, gebe ich sie hier mal in voller Länge wieder:

Die Rosmariesage
Das ritterliche Paar, welches vor langer Zeit auf dem Rabenstein wohnte, hatte eine schöne Tochter Rosemarie. Die saß am Abend des Johannistages am Fenster und sah im Dort Raben unten im Tal, wie sich die Dorfjugend bei Spiel und Tanz vergnügte. Sie wollte an diesem fröhlichen Treiben teilzuhaben und schlich sich schließlich in einfachen Kleidern ins Dorf.

Dabei bemerkte sie gar nicht, wie schnell die Zeit verging. Plötzlich schlug es Mitternacht und vom Turm der Burg erschallten die Hörner. Das war das Zeichen, dass auf Rabenstein die Tore zur Nacht verschlossen wurden. Das erschrockene Burgfräulein lief zur Burg hinauf. Aber sie kam zu spät.


Erst nach langem, heftigen Klopfen wurde sie eingelassen. Der Turmwächter meldete die Sache dem Ritter. Ihre Eltern verlangten daraufhin von ihr, sie solle in der Burgkapelle vor ihnen und allen Ahnen erscheinen. Dort wurde die Strafe dafür verkündet: Rosemarie werde unsichtbar auf ewig in den Turm verbannt.

Ihr werde Leinen gegeben, aus dem sie solle zwölf Hemden nähen. Jedoch darf sie nur alle 50 Jahre einen Nadelstich machen. Wenn es ihr gelingt, die Hemden fertig zu nähen, ist ihre Strafe erlassen.

Erlöst werden kann das arme Mädchen nur von einem kühnen Burschen, dem es gelingt, an der Mauer des 30 Meter hohen Turmes ohne Hilfsmittel hinaufzuklettern.

Viele sollen es schon versucht haben, aber noch keinem ist es gelungen. Täglich um Mitternacht geht sie traurig durch die Burg. In der Johannisnacht steigen ihre Ahnen auf, versammeln sich mit Rosemarie in der Burgkapelle und halten ihr immer aufs Neue ihre Sünden vor. (Quelle: www.flaeming-burgen.de)

Tja, ganz schön nachtragend, die Ritterschaft damals. Aber heutzutage müsste sich doch der eine oder andere Freeclimber finden, der ein Herz für Gespenster-Damen hat. Ich habe übrigens auf dem Bergfried nachgeschaut: Sie ist tatsächlich unsichtbar.

Zur Geschichte:
Um das Jahr 1200 ließ der Magdeburger Erzbischof auf dem so genannten Steilen Hagen den 30 Meter hohen Bergfried aus behauenen Granitquadern errichten. So ziemlich das dauerhafteste Baumterial, das damals zur Verfügung stand. Die Wände sind am Fuß 4,70, oben noch zwei Meter dick.

300 Meter weiter hatte es bereits 50 Jahre vorher eine Holzbefestigung gegeben. Das Land war gerade erst von Rheinländern, Niederländern, Westfalen und anderen „Ausländern“ besiedelt worden. Nun mussten die Handelsstraßen gesichert werden. Dazu diente der Rabenstein, der an der alten Heerstraße von Wittenberg nach Belzig liegt.

Im 14. Jahrhundert wurde die Burg sächsisches Lehen. Um 1300 ließ Rudolf I. von Sachsen die Anlage stärker befestigen. Durch ihre Lage auf einem Bergsporn galt sie als uneinnahmbar. Sie hatte nur einen Nachteil: Es fehlte ein Brunnen. Den Magdeburgern war die sächsische Burg ein Dorn im Auge und sie zerstörten sie 1395. Die sächsischen Kurfürsten ließen sie ungerührt postwendend wieder aufbauen.

Für Einträge im Geschichtsbuch sorgte die Burg dann erst wieder im Dreißigjährigen Krieg. 1631 nimmt der schwedische König Gustav Adolf II. Quartier auf Rabenstein (das zu dem mit ihm verbündeten Sachsen gehört). Ein gutes Jahr für den Schwedenkönig, denn bald darauf besiegt er die kaiserlichen Truppen bei Breitenfeld in Sachsen. Er stirbt dann im folgenden Jahr bei Lützen.

1712 schaute Zar Peter der Große vorbei. Sachsen war gerade mit Russland im Nordischen Krieg verbündet und kämpfte gegen Schweden. In den Folgejahren wechselten Burg Rabenstein und das dazugehörige Gut noch mehrfach den Besitzer, allerdings durch Kauf.

1804 erwarb Erbprinzessin Christiane-Amalie zu Anhalt-Dessau Burg und Rittergut. Seltsamerweise war der nächste hochadelige Besucher ausgerechnet erneut ein Schwede: Kronprinz Bernadotte. Der schlug hier im Spätsommer 1813 als Befehlshaber der alliierten Nordarmee sein Hauptquartier vor der Schlacht bei Dennewitz auf.

Nach dem Wiener Kongress fiel das Gebiet dann Preußen zu. Burg Rabenstein verlor nun ihre strategische Bedeutung. 1890 bis 1945 wurde sie zur Försterei. Der Turm begann in preußischer Zeit zu verfallen und war lange ohne Dach.

1935 lösten sich 2000 Zentner Mauerwerk und krachten in das benachbarte Gebäude. Verletzt wurde niemand. Für die Summe von 12.000 Mark wurde der Turm daraufhin wiederhergestellt.

In der DDR diente die Burg seit 1956 Zeit als Jugendherberge. Diese stellte ihre Arbeit 1998 ein. Ende der 90er Jahre folgten massive Restaurierungen. Heute sind in der Burg eine private Herberge mit schönem, großen „Rittersaal“ (Foto links) und Gastronomie untergebracht.

Besichtigen kann man den Turm, die Folterkammer und die Burgkapelle. Von oben hat man natürlich einen tollen Blick über den Hohen Fläming. Nebenan liegt übrigens eine Falknerei.

Und im Tal findet sich immer noch der Ort Raben, mit einer kleinen, malerischen Kirche.

Burg Rabenstein ist eine der Burgen des so genannten Drei-Burgen-Lands im hügeligen Hohen Fläming. Die anderen beiden Anlagen sind Schloss Wiesenburg und Burg Eisenhardt. Man kann sich alle drei Anlagen übrigens bequem an einem Tag ansehen.

Lage: Burg Rabenstein, Zur Burg 49, 14823 Rabenstein / Fläming

Link: Burg-Seite

Fotos: Burgerbe.de

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