Burg Lahneck am Rhein / Foto: Burgerbe

Burg Lahneck: Das Tagebuch der verdursteten Schottin


Portal der Burg Lahneck / Fotos: Burgerbe.de
Portal der Burg Lahneck / Fotos: Burgerbe.de
Viele Burgen sind mit grausigen Geschichten verknüpft. Bei Burg Lahneck bei Koblenz soll diese Geschichte gerade mal 150 Jahre her sein.

Und so geht die Geschichte (zitiert nach Wikipedia):
Die 17-jährige Schottin Idilia Dubb ging 1851 mit ihren Eltern auf einer Rheinreise. Allein unternahm sie einen Ausflug zur Ruine Lahneck, um diese zu zeichnen. Sie kletterte den überwucherten Burgweg hoch und stieg auf einen Turm der Burg Lahneck.

Gerade als sie oben angekommen war, stürzte die morsche Holztreppe unter ihr ein. Aus ca. 20 Meter Höhe sah sie keine Möglichkeit mehr nach unten zu kommen. Idilia versuchte, sich bemerkbar zu machen.

Bauern und Schiffer winkten zwar zurück, doch niemand merkte ihre Not. Schließlich verdurstete sie dort oben. Im Jahr 1860 sollten Bauarbeiter auf dem Turm ihr Skelett entdeckt haben – und daneben lag ihr Tagebuch mit der ebenso erschütternden wie detaillierten Schilderung ihrer letzten Tage.



1863 veröffentlichte das Adenauer Kreis- und Wochenblatt die Geschichte und trat damit eine publizistische Lawine los (Link zum Text). Das Thema schaffte es bis in die Londoner Times.

Selfie vorm Burgtor ist Pflicht.
Selfie vorm Lahneck-Burgtor ist Pflicht.
Doch die Geschichte war einfach zu gut. Ihr Wahrheitsgehalt ließ sich nie verifizieren. Die erwähnten Schotten haben nie in Edinburgh gelebt.

Das Kreisblatt ist offensichtlich, 140 Jahre vor den Hitler-Tagebüchern, einem geschickten und fantasievollen Fälscher aufgesessen – und hat eine äußerst inspirierende Legende in die Welt gesetzt. Diverse Filme, ein Roman und sogar eine Oper von Mark Moebius entstanden zum Thema.

Wer mehr wissen möchte: Der entsprechende Wikipedia-Eintrag ist reichhaltig. Für die Burg bedeutete die Grusel-Story natürlich internationale Bekanntheit und jede Menge Touristen. Die Geschichte wird bei der Burgführung übrigens heute noch als wahr verkauft 😉

Die Kapelle von Burg Lahneck
Die Kapelle von Burg Lahneck

Zur Geschichte:
Nachdem der Ort Lahnstein 1220 an den Mainzer Erzbischof Siegfried III. von Eppstein gefallen war, ließ er hier – an der Nordgrenze des kurmainzischen Territoriums – eine Burg errichten. Auch musste die nahe Silbermine Tiefenthal geschützt werden.

Die Burg Lahneck an der Mündung der Lahn in den Rhein ist also, obwohl sie den Rhein in Reichweite hat, keine Zollburg gewesen. Sie ist von drei Seiten von schroffen Felswänden umgeben. Dass es eine von geistlichen Herren gegründete Burg ist, erkennt man u.a. an der großen, schon 1225 fertiggestellten Burgkapelle.

Die Burgrafen von Lahneck wollten früh in der Reichspolitik mitspielen. 1308 unterstützte Friedrich Schilling von Lahnstein die Verschwörer, die an der Ermordung des deutschen Königs Albrecht I. von Österreich beteiligt waren. Dummerweise ließ der neue König Heinrich VII. von Luxemburg seinen Vorgänger rächen. Schon 1309 wurde Lahneck gestürmt und Friedrich Schilling hingerichtet. Ziemlich bedeutende Herrschaften waren im Lauf der Zeit hier als Burggrafen tätig: Grafen von Sayn, Katzenelnbogen und Wied.

Burg Lahneck: Der Innenhof
Burg Lahneck: Der Innenhof
Die Burg war ein beliebter Aufenthalt der Mainzer Erzbischöfe, wenn sie zur Königswahl nach Rhens reisten. Im Jahr 1400 tagten vier der Kurfürsten auf der Burg. Sie setzen kurzerhand den amtierenden König Wenzel ab.

Im Dreißigjährigen Krieg setzten schwedische und kaiserliche Truppen der Anlage 1632 und 1636 schwer zu. 1688 schossen französische Kanonen die letzten Gebäude in Brand. Goethe kam dann 1774 bei seiner Lahnreise hier vorbei und dichtete den „Geistesgruß“.

1803 – unter französischer Besatzung – wurde die Burg verkauft. 1837 war die spätere Queen Victoria hier mal zu Besuch, es war die Zeit der Rheinromantik. Als Gastgeschenk sollte sie ein riesiges Porträt bekommen. Es war ihr offenbar zu groß und hängt heute noch in der Burg.

1851 – im Jahr der angeblichen Rheinreise von Idilia Dubb – kam die Burg in den Besitz des englischen Eisenbahnunternehmers Edward A. Moriarty (der wirklch so hieß wie der Gegenspieler von Sherlock Holmes).

Er ließ die Anlage wieder herrichten. Daher finden sich dort heute einige neogotische Elemente, die absolut nicht auf die Burg passen, aber ganz gut aussehen.

1907 kaufte Vizeadmiral Robert Mischke die Burg. Sohn Gerhard Mischke war zur NS-Zeit (1936-45) Regierungspräsident von Koblenz und setzte sich als solcher
natürlich für den Erhalt der Burg ein. 1937 wurde die Anlage restauriert, „undeutsche“ Elemente wie Flachdächer ließ man durch „deutsche“ Spitzdächer ersetzen.

Seit 2002 ist die Burg Teil der Welterbestätte Mittelrhein. Sie kann tagsüber zur vollen Stunde besucht werden. Die Führung geht durch Küche, Folterkammer (Bild unten links), Kapelle und mehrere im Stil diverser Jahrhunderte eingerichtete Räume. Anschließend kann man auf den Bergfried steigen. Von ist die Aussicht natürlich prima, unter anderem schaut man auf dem anderen Rheinufer auf Burg Stolzenfels.

Alarmierend ist, dass sich in den Wänden der Kapelle deutliche Risse zeigen. Zwar steht die Burg auf vermeintlich sicherem Felsgestein, doch der große Kapellenbau drückt dieses Fundament langsam zusammen.

Als Gegenburg zu Lahneck ließ der Trierer Erzbischof übrigens Mitte des 13. Jahrhunderts auf der linken Rheinseite Burg Stolzenfels errichten, deren Ruine dann im 19. Jahrhundert vom preußischen Kronprinzen zum Rheinromantik-Schloss zurechtrestauriert wurde. Aber das ist eine andere Geschichte…

Führungen: Vom 1. April bis zum 1. November zwischen 10 und 17 Uhr jeweils zur vollen Stunde.

Link: Burg-Seite

Lage: Burg Lahneck, 56112 Lahnstein

Fotos: Burgerbe.de



Ein Gedanke zu „Burg Lahneck: Das Tagebuch der verdursteten Schottin“

  1. solche geschichten sind toll. bei mir zuhause gibts ne raubritterburg. allerdings haben da wirklich raubritter gelebt. aber so ne einzelne, individuelle geschichte gibts dazu leider nicht…

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