Bischöfliche Zwingburg am Moselufer: Die Alte Burg in Koblenz


Alte Burg Koblenz
Die Alte Burg am Koblenzer Moselufer

Manche Stadtarchive liegen wirklich traumhaft. Besonders gut hat es das Koblenzer Archiv getroffen. Das liegt im restaurierten Burghaus der Alten Burg der Stadt – mit Blick auf die Mosel, die hier auf den letzten hundert Metern ihres Laufs gemächlich-breit dem Rhein entgegenplätschert.

Die Moselfront des Gebäudes ruht auf Resten der sechs Meter hohen Stadtmauer aus dem 4. Jahrhundert. Sie schützte das römische Confluentes auch nach dem Fall des Limes. Ein römischer Rundturm wurde an dieser Stelle im 12. Jahrhundert als Baumaterial-Quelle für ein erstes romanisches Gebäude für die Ministerialen-Familie von der Arken genutzt.


1277 ließ der Trierer Erzbischof und Kurfürst Heinrich II. von Finstingen das Haus zu einer Burg umbauen, um die nach Unabhängigkeit strebenden Bürger im Zaum zu halten. Die wollten nämlich eine elf Meter hohe Mauer um die Stadt bauen und hätten so dem Bischof trotzden können. Was heute so idyllisch aussieht, war als bischöfliche Zwingburg innerhalb des bürgerlichen Mauerrings gedacht.

Der Konflikt eskalierte natürlich. Die vom (ohne Genehmigung des Bischofs gewählten) Stadtrat angeführte Bürgerschaft blockierte drei Jahre später den Weiterbau der trierischen Landesburg. Erst Erzbischof Diether von Nassau konnte die aufstrebenden Bürger nach heftigen Kämpfen zum Einlenken zwingen. Einen Stadtrat durften die Koblenzer fortan nicht mehr wählen – und die Bischofs-Burg mussten sie in ihren Mauern akzeptieren.

Die Nachfolger des Erzbischofs bauten die Burg weiter aus. Es entstand eine Wasserburg mit breiten Gräben, die von der Mosel gespeist wurden. Seit 1342 spannt sich gleich nebenan die Balduinbrücke über den Fluss. Da jahrhundertelang an der Burg herumgewerkelt wurde, zeigt sie heute einen Stilmix aus Spätgotik, Renaissance und Barock. Zeitweise diente die Burg auch als Residenz der Erzbischöfe.

Die Einmärsche französischer Truppen 1688 und 1798 überstand die Burg leicht beschädigt. Unter der napoleonischen Herrschaft wurde die Burg an einen Industriellen verkauft, wie so viele andere Anlagen auch. In ihren Mauern entstand eine Blechwaren-Fabrik, die immerhin bis ins späte 19. Jahrhundert existierte. 1897 kaufte die Stadt dann die Anlage.

Während der NS-Zeit war das malerische Gebäude Hauptquartier der lokalen Hitlerjugend. Den Bombenhagel überstand es weitgehend unbeschadet. Und auch die Ergebnisse der Restaurierung von 1960-62 können sich sehen lassen.

Erhalten ist nur das zentrale Burghaus mit zwei Türmen zur Moselseite hin. Ringmauer und Graben sind passé. Totzdem ist die Burg das einzige mittelalterliche Bauwerk der Stadt, das alle kriegerischen Wirren bis heute überstanden hat. Wenn man vom Deutschen Eck ein paar Minuten die Uferstraße hinaufläuft, kommt man direkt dran vorbei. Drinnen sitzen heute Stadtarchiv und Bücherei. Eine Besichtigung ist wochentags außer mittwochs von 14 bis 17 Uhr möglich, sofern das Stadtarchiv geöffnet hat.

Hoffentlich kommt die Stadt nie auf die Idee Burg und Grundstück an einen privaten Investor zu verscheuern. Gebote gäbe es sicher jede Menge.

Die Burg ist seit 2002 Teil des Unesco-Weltkulturerbes Oberes Mittelrheintal.

Links: Wikipedia-Eintrag, Eintrag bei Regionalgeschichte.net

Lage: Burgstraße 1, 56068 Koblenz

Bilder: 1 – Burgerbe.de, 2 – Wikipedia/Holger Weinandt.

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