Burg Nideggen: Gefängnis zweier Erzbischöfe


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Burg Nideggen an Ostern im Schneegestöber

Wenn die Besitzer „uneinnehmbarer Festungen“ nicht mit der Zeit gingen und auf neue Waffensysteme reagierten, wurden sie irgendwann zur leichten Beute von Eroberern. Burg Nideggen ist ein schönes Beispiel.

1177 legte Wilhelm II., Graf von Jülich, auf einem Eifel-Hügel den Grundstein zum Bergfried, den „Jenseitsturm“. Es entstand eine mächtige Anlage, die im Mittelalter als uneinnehmbar galt.

Die Burg an einem wichtigen Handelsweg sollte das Jülicher Gebiet gegen das der Kölner Erzbischöfe sichern. Die betrachteten das Erstarken ihrer Nachbarn misstrauisch und lagen mit ihnen im Dauer-Clinch.

Nachdem es den (kaisertreuen) Jülichern 1242, bei der Schlacht von Lechenich gelungen war, den (gegen den Kaiser opponierenden) Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden in ihre Gewalt zu bringen, war es nur folgerichtig, dass sie den Kirchenfürst im Kerker des Jenseitsturms festhielten. Neun Monate lang.

Dann kaufte sich der Bischof, einer der mächtigsten Männer des Reiches, durch eine horrende Summe frei.

Burg Nideggen zu Ostern. Die Eifel halt...
Burg Nideggen zu Ostern. Die Eifel halt…

Doch der Position des Erzbischofs tat das keinen Abbruch. Bereits ein Jahr nach seiner Freilassung mussten die Jülicher die herausgehobene Stellung des Kölners anerkennen. Er legte dann übrigens auch den Grundstein des Kölner Doms.

Damit war der Dauer-Konflikt natürlich nicht vorbei. Auch Hochstadens Nachfolger Engelbert II. von Falkenburg war ein streitbarer Mann, der sich auch mit den eigenen Bürgern herumstritt und von Bonn aus regierte. 1267 marschierte er in Jülicher Gebiet ein und machte sich daran, Nideggen zu erobern.

Doch die Jülicher erwiesen sich als zäher. Sie stellten die Truppen des Bischofs bei Zülpich und brachten ihnen eine vernichtende Niederlage bei. Damit stand es zwischen Köln und Jülich 2:0.

Würde das Wetter es zulassen, hätte man eine prima Aussicht
Würde das Wetter es zulassen, hätte man eine prima Aussicht

Auch dieser Erzbischof wanderte in den Kerker des Jenseitsturms. Dort schmachtete er mehr als drei Jahre (1267-1271), und nicht einmal eine päpstliche Bannbulle vermochte den verärgerten Herzog zur Freigabe des Kirchenfürsten verleiten.

Erst als das übliche horrende Lösegeld ins Spiel kam, wurde man schließlich handelseinig.

1356 ernennt Kaiser Karl IV. den Jülicher Grafen Wilhelm zum Herzog. Um den neuen Stand nach außen hin zu repräsentieren, lassen Wilhelm und sein gleichnamiger Sohn das prächtige Palas errichten – mit einem der größten Säle des Reiches (nur der Kölner Gürzenich und der Aachener Kaisersaal waren größer. Drei Türme grenzten an den Saalbau.

1511 erlosch die Linie Jülich-Berg, und Burg Nideggen fiel an das Herzogtum Kleve (seitdem Jülich-Kleve-Berg). Und wurde prompt in die Streitigkeiten von dessen Herrscher Wilhelm V. mit Kaiser Karl V. um das Herzogtum Geldern hineingezogen, den so genannten Dritten Geldrischen Erbfolgekrieg. Der Protestant Wilhelm hoffte, mit Hilfe Frankreichs und des Schmalkaldischen Bundes dem Kaiser Paroli bieten und das Gelderland behalten zu können.

nid91.jpgDoch dem 61.000 Mann starken Heer des Kaisers war der Protestant nicht gewachsen. Jülich fiel 1543. Circa 16.000 Menschen kamen dabei um.

Damit war Wilhelms Macht gebrochen, und die Söldner fluteten in die Eifel und plünderten die Dörfer. Burg Nideggen hatte zwar dicke Mauern, war aber auch kein Schutz mehr.

In aller Seelenruhe bauten die kaiserlichen Artilleristen ihre Kanonen auf einem angrenzenden Hügel auf und schossen die Befestigungen zusammen. Die Burg war nicht mit der Zeit gegangen und verfügte über keine eigene Artillerie. Wilhelm verzichtete daraufhin im Frieden von Venlo auf das Gelderland und wurde wieder katholisch. Der Kaiser konnte zufrieden sein.

Was von der einst so mächtigen Anlage noch übrig war, wurde dann 1689 von den Truppen Ludwigs XIV. im Pfälzischen Erbfolgekrieg geplündert und zerstört. Die in der Eifel häufigen Erdbeben taten ein Übriges.

Der Burghof ist auch bei schlechtem Wetter ansehnlich...
Der Burghof ist auch bei schlechtem Wetter ansehnlich…

Auf Initiative von Nidegger Bürgern begann  im Jahr 1901 der Wiederaufbau der Ruine.

Seit 1905 gehört das Gemäuer dem Kreis Düren. Leider hat die Burg im Zweiten Weltkrieg erneu stark gelitten. In unmittelbarer Nähe führte der so genannte Westwall vorbei. 1944/45 war die Gegend monatelang Frontgebiet und wurde entsprechend schwer bombardiert. Erst 1979 bekam der Wohnturm sein Dach zurück.

nid3.jpgIn der Burg öffnete das erste Burgmuseums Nordrhein-Westfalens. Heute sind Burganlage und Fachwerkstädtchen ein beliebtes Touristenziel. Besonders stolz ist man auf den tiefen Kerker, in den man durch eine Glasplatte einen Blick werden kann.

Allerdings kann das Wetter in der Eifel schnell umschlagen und auch im Frühjahr noch unangenehm werden. Ich bin dort jedenfalls noch an Ostern in einen ordentlichen Schneesturm geraten.

Für das einstige Rheinische Post-Leserportal Opinio hatte ich ein kurzes Ratevideo mit ein paar Impressionen der Burg zusammengeschnitten:


Links: Burg-Seite, Wiki-Eintrag, Museums-Seite.

Bilder: Burgerbe.de



Ein Gedanke zu „Burg Nideggen: Gefängnis zweier Erzbischöfe“

  1. moin jan,
    wieder einmal ein erstklassiges burgenporträt :)

    naja..mein „glücksgriff“ hat einen nachteil. es läuft nicht unter xp.. nu muss ich meinen alten computer ausbuddeln…damit ich das movie set benutzen kann. mit filmchen wird es also noch etwas dauern 😉

    gruss
    torsten

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