Landesburg Kempen: Nach dem Umbau kamen die Hessen


schloss_kempen4.jpgVon Burgen, die sich in ein mittelalterliches Stadtbild einfügen, geht ein besonderer Reiz aus. Eine solche Burg steht im beschaulichen Kempen am Niederrhein.

Die schwer kriegszerstörte Stadt ist glücklicherweise behutsam und mit viel Sinn für den Denkmalschutz wiederaufgebaut worden, so dass sich ein Bummel durch die Gassen auf jeden Fall lohnt. Ich weiß nur nicht, was diese Ballung an Bäckereien soll.

Nunja, der Bummel endet jedenfalls in der Regel an der Burg, inmitten eines Parks (heute Sitz des Kreis- und Stadtarchivs). Das Gemäuer kann man leider nur bei gelegentlichen Rundgängen besichtigen.

Aus einem befestigten Hof des Kölner Erzbischofs, der schon im 11. Jahrhundert belegt ist, entstand zunächst die Siedlung Kempen (Stadtrecht 1294). Die Siedlung an Kurkölns Nordwest-Grenze musste verteidigt werden. 1347 wird erstmals eine Burg erwähnt, die Ritter Reinhart von Schönau zum Lehen erhielt. Der Grundstein stammt von 1316.

schloss_kempen3.jpgDie bis heute erhaltene Burg ließ dann Erzbischof Friedrich III. von Saarwenden von 1396 bis 1400 durch den Baumeister Johann Hundt errichten. Das Wappen des Erzbischofs prangt noch heute über dem Eingang. Ein kölnischer Amtmann zog ein.

Als die Anlage im 16. Jahrhundert zu verfallen drohte, ließ Erzbischof Salentin von Isenburg sie 1570 instand setzen. Die Einwohner hatten nicht viel davon. Neun Jahre später raffte die Pest die Hälfte der Bevölkerung hinweg.

Kennzeichnend sind die drei runden Türme, die die Backstein-Anlage bis heute überragen. Ringsum war das Areal von Wasser umgeben. Nach Nordosten hin war die Flanke der Burg durch eine halbmondförmige Bastion gesichert.

1634, mitten im Dreißigjährigen Krieg, ließ Erzbischof Ferdinand von Bayern sie schlossartig umbauen. Aus den Schießscharten wurden großzügige Fenster. Nun konnte der kölnische Amtmann dort bequem residieren. Und auch der Erzbischof selbst schaute gern vorbei, wenn er im Kempener Land zur Jagd unterwegs war.

Im nachhinein stellte sich diese Idee jedoch als etwas hirnrissig heraus, denn 1642 marschierten die Hessen ein und belagerten Kempen. Nach schwerer Beschießung eroberten die hessischen Söldner Stadt und Burg. Sie waren an der der Burg entgegengesetzten Stadtmauerseite durchgebrochen, neben der noch heute erhaltenen Mühle. Die Hessen hielten Kempen dann sieben Jahre lang besetzt. Kein Wunder, dass der Ort anschließend völlig ausgeplündert zurück blieb. Noch heute soll die Straße Hessenring daran erinnern.


schloss_kempen2.jpgDann war erstmal 150 Jahre Ruhe. Erst 1794 tauchten wieder Invasoren auf. Diesmal die französische Revolutionsarmee. Damit war Kurkölns Herrschaft beendet. Stadt und Burg kamen zu Frankreich. Die französische Regierung enteignete die Burg als ehemaligen kurkölnischen Besitz und ließ sie verkaufen (genau wie Burg Linn in der Nachbarstadt Krefeld).

Den Zuschlag bekam 1807 der Krefelder Seidenfabrikant Peter von Löwenich. Er betrachtete die Landesburg in erster Linie als Kapitalanlage und hatte nicht viel mit Denkmalschutz im Sinn. Der Industrielle ließ die nördlich vorgelagerte Bastion und den Nordflügel abbrechen. Die Burg verkam und wurde zur Ruine.

Der Wiener Kongress sprach die Stadt nach der Niederlage Napoleons Preußen zu. An den Besitzverhältnissen der Burg änderte sich nichts. 1851 verwüstete ein Brand die Anlage.

schloss_kempen1.jpgAls das Kempener Gymnasium Thomaeum dann Mitte des 19. Jahrhunderts immer weiter wuchs, kaufte die Stadt 1857 schließlich die ausgebrannte Burg. Die Stadtväter ließen sie 1861 bis 1863 von August Stüler komplett umbauen. Die Gebäude wurden entkernt und auch die Fassaden neugotisch gestaltet. Besonders gut sieht man das heute noch an den Zinnen.

Die Stadt machte aus der Burg die Burg-Schule. Das Gymnasium hatte dann von 1863 bis 1925 dort seinen Sitz. Weil ein Gymnasium auch einen Schulhof braucht, wurde 1868 auch die Vorburg abgerissen.

1930 zog das Kreishaus ein und mit ihm der preußische Landrat. 1939 ging die Anlage dann auch ins Eigentum des Kreises (heute Kreis Viersen) über. Bis 1984 war in dem herrschaftlichen Gebäude – in einem Park mit hohen Edelkastanien – die Kreisverwaltung untergebracht. Bis 2001 nutzte die Volkshochschule noch Räume. Heute sind hier nur noch die Archivare tätig.

Besonders schön sieht das Ganze abends aus, wenn die Burg durch Scheinwerfer in warmes Licht getaucht wird.

Die Stadt Kempen bietet übrigens Burgturmbesteigungen an. Infos hier.

Quelle: Ludger Fischer: Die schönsten Schlösser und Burgen am Niederrhein, Gudensberg-Gleichen 2004. Der oben erwähnte Wikipedia-Eintrag zu Kempen ist auch ganz nützlich.

Lage: Burgwall, 47906 Kempen

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