Schatzfund: Die Silbermünzen von Burg Dollnstein

Burg Dollnstein: Luftbild der Anlage (Foto: Rudolf Hager/Michael Hoedt)
Burg Dollnstein: Luftbild der Anlage (Foto: Rudolf Hager/Michael Hoedt)

Spektakulärer Fund bei einer Routinegrabung: Bei der Arbeit in Burg Dollnstein (Oberbayern) ist ein Team um Dr. Mathias Hensch und Ines Buckl auf einen Topf mit 3000(!) Silbermünzen, vermutlich aus dem 13. Jahrhundert, gestoßen.

Der Fund ist zwei Kilogramm schwer und lag in einer Grube in den ehemaligen Stallungen. Das melden Donaukurier und die Webseite der Grabungskampagne.


Die Münzen im Topf waren in einen Beutel gelegt worden, die Archäologen fanden Textilreste. Das Gefäß war behutsam in einer Grube verkeilt worden. Als Verschluss diente ein Axtblatt (wohl auch eine Warnung an mögliche Finder), beschwert von einem Stein. Auch für die damalige Zeit muss es sich um einen gewaltigen Schatz gehandelt haben.

Modell der Anlage, gebaut von Schulkindern (Foto: Bernhard Eder)
Modell der Anlage, gebaut von Schulkindern (Foto: Bernhard Eder)

Aus welcher Zeit die Münzen stammen, ist nicht genau klar. Sie sind stark korrodiert, auf einer ist noch ein ausgestreckter Arm zu erkennen. Der Topf lässt sich jedenfalls auf das 13. Jahrhundert datieren. Restauratoren der staatlichen Münzsammlung in München werden die mittelalterlichen Zahlungsmittel nun auswerten.

Der spektakuläre Fund wirft ein Licht auf eine turbulente Zeit. Am Ende des 12. Jahrhunderts saßen die mächtigen Grafen von Hirschberg als Vögte der Fürstbischöfe von Eichstätt auf der Burg im Altmühltal. Die Anlage stand auf einem 80 Meter langen Felsen.

Die Hauptburg erhob sich dabei auf einem schmalen Grat, der zwischen 5,50 Meter und 3,50 Meter Platz in der Breite bietet, umgebeben von einer Vorburg. Bei den Ausgrabungen konnten jetzt Reste eines Saalbaus aus dem späten 11. oder frühen 12. Jahrhundert nachgewiesen werden. Die Burg Dollnstein wird sogar im Parzival des Minnesängers Wolfram von Eschenbach erwähnt.

Mauer und Rundturm von Burg Dollnstein wurden neu errichtet (Foto: Bernhard Eder)
Mauer und Rundturm von Burg Dollnstein wurden neu errichtet (Foto: Bernhard Eder)

Bekannt ist, dass sich die Hirschberger Grafen von etwa 1250 bis 1260 mit König Ottokar von Böhmen stritten, der wochenlang durch ihr Land zog und die Hirschberger Burgen belagerte. Könnte der Münzschatz vergraben worden sein, als der König vor Burg Dollnstein stand? So lautet eine Vermutung der Archäologen.

Aber warum blieb er in der Erde? Wurden diejenigen, die um seine Existenz wussten, bei einer möglichen Einnahme der Burg durch Ottokars Männer getötet? Die weitere Forschung verspricht interessant zu werden. Nach dem Aussterben der Grafen und einigen Besitzerwechseln kaufte das Hochstift Eichstätt die Anlage. Sie blieb dann bis zur Säkularisation 1802 in geistlichem Besitz.

Zwei Jahre später wurden die Gebäude versteigert. Dollnsteiger Bürger schlugen zu. Die verbliebenen Teile der Hauptburg rissen sie ab und verkauften sie als Baumaterial. Die Gebäude der Vorburg blieben erhalten. In ihnen wurden als „Arme-Leute-Wohnungen“ eingerichtet.

Die Häuser aus Bruchstein und Fachwerk erhielten sich bis ins 20. Jahrhundert, wenn auch zum Teil in beklagenswertem Zustand. 1970 stürzte ein Teil der Bebauung einfach ein. 1980 dachte die Gemeinde ernsthaft darüber nach, den gesamten Komplex abreißen zu lassen.

Ehemalige Wirtschaftsgebäude der Vorburg von Burg Dollnstein (Foto: Bernhard Eder)
Ehemalige Wirtschaftsgebäude der Vorburg von Burg Dollnstein (Foto: Bernhard Eder)

Mittlerweile strebt der Gemeinderat eine grundlegende Sanierung des Komplexes an. Auch ein sehr aktiver Verein, die Burgfreunde von Burg Dollnstein, sich um die Anlage. Sie wollen 50.000 Euro zur Sanierung beisteuern. Im August 2006 hatte das Land 680.000 Euro für die Sanierung der Vorburg genehmigt. Nötig sind nach Schätzungen von Experten allerdings 2,3 Millionen Euro.

Die Gemeinde Dollnstein will jetzt erreichen, dass der Fund im geplanten Altmühlzentrum eine Heimat findet, das in den Stallungen der Burg entstehen soll. Der Bürgermeister beansprucht für die Gemeinde jedenfalls schon mal das Eigentumsrecht am Silberschatz.

Nachtrag (2013): Inzwischen kann man den Münzschatz von Burg Dollnstein in einer Ausstellung sehen.

Links: Ausführlich wird die historische Bausubstanz auf der Seite der Burgfreunde Dollnstein erläutert. Lage: 91795 Dollnstein Fotos: Mit freundlicher Genehmigung der Burgfreunde Dollnstein.



3 Gedanken zu „Schatzfund: Die Silbermünzen von Burg Dollnstein“

  1. Ich wohne in Dollnstein und finde es schade, dass unsere Burg nicht mehr steht, da ich mich für Burgen sooooooooooo interessiere

  2. Da ich in einer Gegend wohne, in der nahezu jedes Dorf noch seine eigene Burg oder zumindest eine Ruine aufweisen kann, interessiert mich alles was ich darüber lesen kann.

    Sollten Sie einmal Bildmaterial zu Bauwerken aus Unterfranken benötigen, fragen Sie bei mir an. Falls ich das gesuchte im Archiv habe, stelle ich es Ihnen gerne zur Verfügung.

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