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Vom Freiburger Foltermuseum zur Vlotburg

Sieben Jahre lang hatte das beschauliche Freiburg im Breisgau eine etwas makabere Attraktion: Im Schatten des Münsters, fast in Reichweite der Wasserspeier, fand sich das überaus beliebte Foltermuseum.

Nunja, beliebt bei vielen Touristen, die nach dem Erklettern des Münster-Turms vorbeischauten. Kirchlichen Würdenträgern war die etwas reißerische Erinnerung an die Zeit der Inquisition denn doch ein Dorn im Auge.

Zwischen 1550 und 1628 wurden in Freiburg 302 Menschen als Hexen und Zauberer verurteilt, davon 131 hingerichtet. Eine Plakette am Martinstor erinnert heute an die Opfer.

Als „unseriös“ kritisierte das Domkapitel die Schau des Museums. Die Initiatoren machten sich im Gegenzug einen Spaß daraus, die betreffenden Zeitungsartikel (mit Überschriften wie „Kann denn Folter Sünde sein?“) an die Tür zu heften.



protest_foltermuseum.jpgZu sehen bekam man im Museum (das pikanterweise auch direkt neben dem erzbischöflichen Palais lag) allerlei Gerätschaften aus der Zeit der und Infos zur Hexenverfolgung. Da standen dann Streckbank, Pranger, Folterstuhl, „Hexenwaage“, diverse eiserne Fessel-Utensilien, etc.

Natürlich keine Ausstellung, die einen allzu hohen wissenschaftlichen Anspruch gehabt hätte. Interessant anzuschauen, halt.

Man ging schnell durch und ärgerte sich möglicherweise hinterher etwas über das ausgegebene Geld. Ich war im Sommer 2003 mal da und habe ein bisschen fotografiert, ähnlich wie bei entsprechenden Museen, zum Beispiel in Rothenburg ob der Tauber…


foltermuseum2.jpgLetztlich hatte die Kirche den längeren Atem (wen wundert’s?). Das Münster steht noch, das Museum machte Anfang 2006 dicht. „Zu hohe Mietforderungen und immer weniger Besucher“, hieß es als Begründung.

Initiator Lenny Vries packte daraufhin Foltergeräte und seine große Sammlung mittelalterlicher Memorabilia kurzerhand auf einen 2003 gekauften Rheinkahn (60 Meter lang, 5,50 Meter breit). Der wurde aufwendig und mit viel Eigenleistung umgebaut. Allein 60 Tonnen Eichenbalken aus alten Schwarzwald-Bauernhöfen wanderten in den Innenausbau. So entstand aus der Andisa das Museumsschiff Vlotburg.

vlotburgdenhelder.jpgDas Gefährt sieht mittlerweile wie eine schwimmende Rummelplatz-Burg aus. Und damit schippert der findige, mittelalterverrückte Niederländer mit seinem Team und der Familie seit Mai 2006 jetzt den Rhein auf und ab. Sogar ein Pferd ist mit an Bord.

Landauf landab macht der Mitte-50-Jährige Schlagzeilen mit seiner „schwimmenden Ritterburg“, die auch schon Sabotageakte von Einbrechern überstand. Kriminelle hatten nachts die Taue des Schiffs gelöst.

So ein Museum aufzubauen, ist meiner Meinung nach eine organisatorische Leistung, die einiges an Respekt verdient.

Häufig ist das Schiff in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz zu sehen. Hier geht es zu den nächsten Terminen und Anlegestellen der Vlotburg. Bis zum 2. Februar 2017 liegt die Vlotburg übrigens im niederländidschen Urk am Ijsselmeer vor Anker. Zu finden ist sie dort im Hafen. Die Adresse lautet Staversekade 5 (Wijk1), 8321 EK Urk.

Der Eintritt beträgt 5 Euro für Erwachsene und 4 Euro für Kinder bis 13 Jahre.

Ein Video vom Vlotburg-Besuch in Würzburg:

Fotos: Burgerbe.de / Bild 4 von der Vlotburg-Seite. Und weil’s da unten so schön ist, hier noch ein paar eigene Freiburg-Bilder:

martinstor_freiburg.jpgbaechle.jpg engel_freiburger_muenster.jpgwasserspeier_freiburg.jpgfreiburger_muenster.jpg
Martinstor, Bächle und Münster mit Engel und Wasserspeier…


2 Gedanken zu „Vom Freiburger Foltermuseum zur Vlotburg“

  1. hallo
    wir möchten mit ihnen ein interview über verfolgung von frauen im mittelalter im schwarzwald machen
    es wäre net wenn sie intformationen für uns haben
    wir würden uns sehrr freuen

  2. Achja, schön recherchiert das Ganze. Hatte ich mich auch gewundert wo die Gesellen denn geblieben sind. Hier in Freiburg, ja ich habe auch mal wieder Heimaturlaub, vermisse ich diese Insitution.

    Merci! Bis bald!

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