Katlenburg: Neue Herren auf der Bücherburg

140px-katlenburgwappen.jpgGerüchte, nach denen eine rechte Gruppierung den historischen Burgbergkomplex von Katlenburg (Kreis Northeim/südl. Niedersachsen) übernehmen könnte, haben sich nicht bestätigt.

Zum 1. Januar 2008 wurde eine gemeinnützige Gesellschaft zur Förderung von Gästehäusern, die Eichsfelder Hütte, Pächter des Areals. Das meldet die Hessisch/Niedersächsische Allgemeine in ihrer Online-Ausgabe.

Die Katlenburg soll unter neuer Regie für die nächsten 15 Jahre als Bildungs- und Freizeitstätte weitergeführt werden. Auch eine Gaststätte sei geplant.

Die Anlage war vorher 40 Jahre lang von der Hannoveraner Schreberjugend betrieben worden, die jedoch im Frühjahr Insolvenz angemeldet hatte. Die Gemeinde unterstützt die geplanten Umbauten mit zunächst 47.000 Euro, die der neue Pächter später zurückzahlen soll.

Die Katlenburg ist durch die Aktion „Bücher aus der DDR für Brot für die Welt“ als Bücherburg auch überregional bekannt geworden. Pfarrer Martin Weskott (Zitat: „Literatur gehört nicht auf den Müll“) hatte nach der Wende hunderttausende Bücher aus DDR-Beständen vor der Vernichtung gerrettet und sammelt seitdem überschüssige Exemplare aus ganz Deutschland.

Mittlerweile lagern ca. eine halbe Million Bände in Magazinen auf der Katlenburg, die dadurch zur „Bücherburg“ wurde. Sachbücher, Triviales, so ziemlich alles, was der Buchmarkt hergibt.

buecherburg.jpgDer Pastor hat seit 1991 etwa 300.000 Bücher verkauft und spendet die Gewinne an die Aktion „Brot für die Welt“. Die Initiative brachte ihm das Bundesverdienstkreuz ein. Sie brachte dem Ort aber auch literarisches Flair. Seit 1993 finden dort Lesungen und Vorträge statt, speziell zur Förderung ostdeutscher Autoren. Bis 2007 waren es schon 150.

Im November war gerade die Cheflektorin des Aufbau-Verlags zu Gast. Der Pächterwechsel soll auf die Bücherburg keine Auswirkung haben.

Geschichte:
Entstanden ist die Burg wohl Ende des 10., Anfang des 11. Jahrhunderts, genaue Daten fehlen. Die Katlenburger Grafen hatten überregionale Bedeutung und griffen auch in die Reichspolitik ein. Dietrich II. (der seine eigenen Münzen prägte), unterstützte einen Fürstenaufstand gegen den „Canossa-Pilger“ Heinrich IV.

140px-karte_deutschland-copy.jpgDa Graf Dietrich III. ohne Erben war, wandelte er die Burg 1105 in ein Kloster um und ließ eine Schloßkirche bauen. Aus jener Zeit sind heute der steinerne Altartisch und die Krypta erhalten. Dort ist Dietrich III. auch beigesetzt. Er starb dann 1106 bei der Belagerung von Köln, vermutlich an einer Seuche. Er unterstützte gerade Heinrich V. gegen seinen Vater Heinrich IV. 1346 brannten die Klosteranlagen wohl durch Brandstiftung nieder.

Das Kloster ist heute noch bekannt durch das Katlenburger Klosterbuch. 1517, als die Bauernunruhen in diese Gegend überzugreifen drohten, ließ die Äbtissin eine Übersicht über die umfangreichen Besitzungen des Klosters niederschreiben. Sie reichten bis nach Thüringen. Das Buch ist im Staatsarchiv Hannover erhalten. In der Reformation wurde die Klosterburg dann 1534 säkularisiert.

1560 zog der Welfe Philipp v. Grubenhagen in die Gebäude auf dem Burgberg ein und brachte seine junge Frau Clara von Wolfenbüttel mit. Sie ließen die Klostergebäude zu einem Renaissance-Schlösschen umbauen, in dem sie 35 Jahre lang lebten.

444px-1599_christian.jpgIm Dreißigjährigen Krieg geriet die Katlenburg in die Kämpfe zwischen dem kaiserlichen Feldherrn Tilly und Herzog Christian von Wolfenbüttel (Bild), dem „tollen Halberstädter“. 1625 musste sich der unter protestantischer Kontrolle stehende Burgberg nach längerer Belagerung zunächst den Katholiken unter Tilly ergeben. Wenige Monate später, im April 1626, erschien dann Herzog Christian, plünderte Schloß und Kirche und ließ alles in Brand stecken. Glück brachte ihm der Frevel nicht: Zwei Monate später starb der Feldherr an einem Fieber.

Im Siebenjährigen Krieg rückten dann 1761 Franzosen und Sachsen ein, die sich in der Kirche häuslich niederließen, und das Gotteshaus entweihten.

Seit 1964 betrieb die Schreberjugend Niedersachsen auf der Burg eine Freizeit- und Bildungsstätte.

Es wäre natürlich eine tolle Sache, wenn der neue Pächter auch ein bisschen was für die Bücherburg-Aktion tun könnte.

Ich wünsche jedenfalls viel Glück!

Quellen: Zur Geschichte der Katlenburg steht einiges bei Buecherburg.de, mehr auf der ehemaligen Seite Katlenburg.de, die aber nur noch über den Google Cache zu finden ist.

Lage: Burgberg, 37191 Katlenburg-Lindau

Bilder: Wappen von Katlenburg, Screenshot von www.buecherburg.de, Deutschlandkarte aus Wikipedia und Porträt von Christian v. Wolfenbüttel (Wikipedia/Gemeinfrei).



4 Gedanken zu „Katlenburg: Neue Herren auf der Bücherburg“

  1. Hallo Torsten Runge,
    auch von hier alle guten Wünsche, wir sind selbst eifrige Besucher der Katlenburg gewesen. Rhumefahrten, Sommerfeste usw.
    Mich würde mal interessieren was aus Petra und Per geworden ist.
    Freue mich über ne Antwort an email
    Grüße und alle besten Wünsche aus Hannover
    Jürgen
    PS. wieviel Leute kann man bei euch unterbringen, Zelte, WoWa, WoMo etc. eingeschlossen??? Wir suchen einen Ort für ein bundesweites Treffen, und auf der Burg war es immer schön!

  2. Vielen Dank für Ihre guten Wünsche!!!
    Gern möchten auch wir in Zukunft etwas für die Bücherburg-Aktion tun. Sprechen Sie uns bitte an – und wir können Ideen entwickeln, wie wir uns einbringen können.
    Viele Grüße
    Torsten Runge
    Geschäftsführer der
    Eichsfelder Hütte gem. Ges. zur Förderung von Gästehäusern

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