Prächtige Residenz: Rekonstruktion des Heidelberger Schlosses um 1683 / Bild oben: Der Schlosshof (Bilder: KIT)

Soll das Heidelberger Schloss wieder aufgebaut werden?


 Ottheinrichbau (1556, erstes Renaissance-Bauwerk auf deutschem Boden) Foto: Meins / Foto oben: Digitale Rekonstruktion des Schlosses im Bauzustand von 1683 durch Julian Hanschke / Foto: KIT
Ottheinrichbau (1556, erstes Renaissance-Bauwerk auf deutschem Boden) Foto: Meins / Foto oben: Digitale Rekonstruktion des Schlosses im Bauzustand von 1683 durch Julian Hanschke / Foto: KIT

Die Frage stammt aus dem späten 19. Jahrhundert, als sich Prinzen und Magnaten die gute alte Ritterzeit durch historisiernde Rekonstruktionen herbeizubauen trachteten. Warum nicht auch in Heidelberg?

Wie das in Deutschland nun mal so ist: Es wird lange geredet und am Ende entscheidet ein Arbeitskreis.

Nach 22-jähriger Diskussion stimmte ein Gremium aus Fachleuten 1890 gegen den Wiederaufbau und für den Erhalt der Ruine in ihrem damaligen Zustand. Nur der weitgehend erhaltene Friedrichbau wurde wieder aufgebaut.



Friedrichsbau des Heidelberger Schlosses
Friedrichsbau des Heidelberger Schlosses
Die Entscheidung erwies sich als goldrichtig. Die ausgedehnte, malerische Ruine, die schon Goethe und Mark Twain begeisterte, trägt maßgeblich dazu bei, jährlich rund 3,5 Mio Besucher in die Neckarstadt zu locken. Nur an wenigen Orten (Hofbräuhaus, Neuschwanstein…) kann man so viele japanische Reisegruppen sehen wie hier.

Eine Burg wird hier erstmals 1225 erwähnt. 1303 ist dann bereits von zwei Burgen die Rede (Obere und Untere Burg). Über die mittelalterliche Burg auf dem Areal des heutigen Schlosshofes ist praktisch nichts bekannt.

1415 diente die Stadt kurzzeitig als Gefängnis für den abgesetzten Papst Johannes XXIII., möglicherweise saß der Kirchenfürst im Gefängisturm des Schlosses ein, der den Beinamen „Seltenleer“ trug. Im Gegensatz zum Gegenpapst hat es Luther hier recht gut gefallen.

Die berühmte Aussicht vom Schloss auf Heidelberg.
Die berühmte Aussicht vom Schloss auf Heidelberg.

Ab Mitte des 15. Jahrhunderts wurde die Burg zur Festung ausgebaut. Die heute noch sichtbaren Gebäude stammen aus dem 16. und 17. Jahrhundert.

Bis zur Zerstörung 1689/93 war das Heidelberger Schloss Residenz der Pfälzer Kurfürsten. Nun ja. Mit Unterbrechungen. Wie etwa 1622, als der kaiserliche General Tilly Burg und Stadt nach kurzer Beschießung einnahm.

pulverturm.jpg
Der gesprengte Pulverturm

Kurfürst Friedrich V. war vorher auf die desaströse Idee gekommen, sich gegen den Willen des Kaisers zum König von Böhmen krönen zu lassen. Aufgrund der kurzen Regierungszeit brachte ihm das den Spitznamen Winterkönig ein – und zog die Pfalz in die Wirren des Dreißigjährigen Krieges. Der Kurfürst weilte derweil in Holland im Exil.

1633 übernahmen dann die Schweden die Stadt und – nach dreiwöchiger Beschießung – auch das Schloss. Nach mehreren Versuchen konnten die Kaiserlichen das Schloss dann 1635 zurückerobern und bis zum Friedensschluss halten. Das Areal wurde dabei erstmals weitgehend zerstört.

Die nächste Katastrophe brach dann im Pfälzer Erbfolgekrieg über die Burg herein: In Form der Armee Ludwigs XIV., die 1688 in das vom Kurfürsten verlassene Heidelberg einrückte. Als die Truppen 1688 wieder abzogen, steckten sie Stadt und Schloss in Brand.

ruinen.jpgKurfürst Johann Wilhelm ließ die Festungswerke wieder herstellen und konnte die Franzosen 1691 und 1692 dadurch nochmals zum Abzug bewegen. 1693 waren die Angreifer entschlossener.

Die Stadt fiel nach fünf, das Schloss nach einem weiteren Tag. Nun sprengten die Franzosen Türme und Mauern mit Minen. Auch die sieben Meter starke Ummantelung des „Dicken Turms“ hielt dem nicht stand.

statue2.jpgDie tonnenschweren Trümmer der mächtigen Bastionen liegen heute noch so, wie sie damals zusammenkrachten. Gehalten von Schuttkegeln. Es ist ein beeindruckender Anblick, die trutzigen Türme so praktisch im Querschnitt zu sehen, als hätte sie ein Riese mal eben aufgebrochen.

Die folgende notdürftige Wiederherstellung brachte auch nicht mehr viel. 1720 zog die Residenz nach Mannheim um. Pläne von Kurfürst Karl Theodor, das Schloss doch wieder aufzubauen, wurden 1764 durch einen Brand infolge Blitzschlags vereitelt. Von da an blieb das Schloss Ruine.

Doch das Thema Wiederaufbau lässt die Heidelberger nicht los und gesitert immer mal wieder gerne durch die Gazetten. Dabei ist es umstritten, ob ein originalgetreuer Wiederaufbau überhaupt machbar ist, da sich das genau Aussehen und die Standorte aller Bauwerke gar nicht exakt nachvollziehen lassen.

Weil aber doch irgendetwas wiederentstehen soll, geht man aktuell an die Rekonstruktion eines Renaissance-Gartens (von dem man auch nicht genau weiß, wie er aussah). Mehr dazu in einem interessanten „Zeit“-Artikel.

PS: Noch nicht kaputt genug war das Heidelberger Schloss einer Gruppe der linksextremen „Revolutionären Zellen“. Sie verübte zur Hoch-Zeit des Terrorismus, 1978, einen Brandanschlag auf die Ruine. Die Steine fingen jedoch kein Feuer. Im Jahr 2000 nahm die Polizei zwei Verdächtige fest.

ritterblaukl.jpgSagen: Diverse Sagen kursieren rund um das Schloss. Erwähnt sei hier nur der eiserne Ring am Tor des Schlosshofs. Der Sage nach bekommt derjenige das Schloss geschenkt, der es schafft, den Ring zu durchbeißen. Eine Hexe soll mehrmals versucht haben, den Ring zu durchzubeißen. Aber ihre Zauberkräfte versagten. Nur eine kleine Vertiefung blieb in dem Klopfring zurück, der so genannte „Hexenbiss“.

Foto 1 Ottheinrichbau im Heidelberger Schloss (1556, erstes Renaissance-Bauwerk auf deutschem Boden)
Foto 2 Friedrichbau
truemmer.jpg Foto 3 Karen schaut von der Fürstenterrasse aus auf die Stadt
Foto 4 Der gesprengte Puverturm
Foto 5 Ruinenlandschaft
Foto 6 Figur an der Fassade des Ottheinrichbaus
Foto 7 Torwächter-Figur
Foto 8 Trümmer-Fassaden

Lage: Heidelberger Schloss, Schloss 1, 69117 Heidelberg

Quelle: Der Wikipedia-Eintrag zum Heidelberger Schloss ist umfassend und empfehlenswert.

Fotos: Burgerbe.de



5 Gedanken zu „Soll das Heidelberger Schloss wieder aufgebaut werden?“

  1. Ja, zum Wiederaufbau. Das Berliner Schloss wird aus dem Nichts wieder aufgebaut. Warum nicht dieses schöne Bauwerk in Heidelberg.
    Es wäre ein Zeichen Zerstörung und Hass nicht hinzunehmen.
    Man könnte über mehrere Etagen innen einen modernen Konzertsaal bauen und durch Musik die Menschen verzaubern. Ideen gebe es zur
    Nutzung viele u nd Geld müsste doch da sein, wenn man da zum Beispiel an den Berliner Flughafen denkt oder an eine militärische Drohne für 500 Millionen die nicht fliegen darf und die völlig sinnlos ist.
    Also mehr Mut ihr Heidelberger. Beginn den vollständigen Wiederaufbau.
    Eure schöne Stadt hat es verdient , am Fuße eines der schönsten Renaincechlösser zu liegen..

  2. Ich bin der Meinung das man das Schloß wieder aufbauen sollte…..es werden Unsummen für unnötige „Dinge“ in diesem land ausgegeben…….warum mal nicht für deutsche Kultur oder Baudenkmäler wie das Heildelberger Schloß.
    Heidelberg ist eine wunderschöne Stadt, mit „neuem“ Schloß wäre es ein Highlight.

  3. ich weiß nicht was ich davon halten soll. ich fände es gut, wenn es wieder aufgebaut wäre, aber mindestens genauso gut finde ich es als ruine. ich denke jeder von uns kennt es nur als ruine, und es würde das stadtbild von heidelberg einfach nur viel zu gravierend ändern.

  4. Ich finde, das Heidelberger Schloß sollte wieder aufgebaut werden. Ich bin mir 100 prozentig sicher, daß nach dem Wiederaufbau noch mehr Leute kämen. Man würde das Schloß Besuchern öffnen und könnte auch wie im Ott Heinrichsbau schon üblich, Eintritt zur Besteigung z.B. des Krautturmes verlangen.
    Die Japaner würden noch zahlreicher kommen , genauso wie alle anderen Besuchergruppen, denn es gibt nur ein Heidelberger Schloß.
    Alleine die Stadt Heidelberg würde noch mehr Besucher bekommen, sobald der Wiederaufbau des Schlosses beginnt. Es wäre für Besucher interessant zu sehen, wie Schloß und Gartenanlage ihre ursprüngliche Gestalt annehmen und in ihrem altem, erwürdigen Glanz erstrahlen.

    Ein weiterer Grund für den Wiederaufbau wäre, daß man ein Zeichen zur Wiederversöhnung setzt. Alte Wunden müssen heilen, damit es zur Aussöhnung kommt. Das Heidelberger Schloß würde durch seinen Wiederaufbau auch hier „von sich Reden machen“.
    Die vielen Sagen die um das Schloß ranken, wären bei einem Wiederaufbau keinesfalls gefährdet. Sie kämen sogar mehr noch zur Geltung. Man denke nur an das Modellschloß im intakten Schloßteil, anhand dessen das Schloß viel plastischer wirkt, als ruinöse Gebäude.
    Den romantischen Charakter verliert das Schloß durch einen Wiederaufbau garantiert nicht, denn es liegt weiterhin eingebettet in der schönen Parkanlage. Das romantische Element würde durch einen Wiederaufbau noch viel stärker zur Geltung kommen: Romantik strebt nach Vollkommenheit !
    Kein Erbauer hat nicht romantische Gedanken bei einer Schloßplanung. Das sieht man schon allein an der bis ins Detail durchdachten Gartenanlage, dem „Hortus Palatinus“. Kleine mechanische Systeme bewegten Wasserspiele, u.v.m. … Wäre das nicht schön, dies alles wieder in altem Glanz erstrahlen zu sehen?
    In diesem Sinne, ein Appell an die Bevölkerung: Liebe Freunde des Heidelberger Schlosses, macht Euch stark für seinen Wiederaufbau, denn es ist ein Zeichen der Wiederversöhnung alter Wunden. Ein Bewundern von Ruinen ist hingegen ein Zeichen der Selbstzerstörung.

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